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April 2008:ALD Vacuum Technologies GmbH
Neue Vakuumaufkohlungsanlage bei HEKO
Interview mit Herrn Alexander Koch (GF HEKO Ketten) und Dr. Klaus Löser (GB-Leiter Neue Technik Wärmebehandlung ALD)


WB-Markt: Hr. Koch, Ihr Unternehmen besteht seit 90 Jahren und überraschte pünktlich zum Betriebs-
jubiläum mit einer völlig neuen Härtetechnologie. Sie haben sich für eine Vakuumofen-
anlage zum Einsatzhärten von Ketten entschieden. Hat Ihnen das angesichts des Neuigkeitscharakters schlaflose Nächte bereitet?
Alexander Koch und Dr. Klaus Löser

Koch: Nein keineswegs, ich habe ja nicht aus dem Bauch heraus entschieden, sondern nach sehr sorgfältiger Vorplanung und umfangreichen Versuchen. Am Anfang stand der Vorschlag meines Betriebsleiters, Hr. Steinke, diese neue Technologie des Einsatzhärtens mit "trockenem" Abschrecken auch für unsere Ketten einzusetzen.

WB-Markt: Hr. Dr. Löser, haben Sie die Anwendung der Einsatzhärtung von Ketten in Vakuumöfen schon vorher gekannt oder war das für ALD auch Neuland?

Dr. Löser: Der konkrete Anwendungsfall war sicherlich neu, die Entwicklung des Einsatzhärtens von Serienteilen in Vakuumöfen ist aber seit Mitte der 90'er Jahre bei ALD stark forciert worden. Die Entwicklung von Mehrkammeranlagen mit kalter Abschreckkammer in Verbindung mit 20 bar Helium-Gasabschreckung ermöglichte es uns, große Chargen technisch anspruchsvoll und auch wirtschaftlich zu behandeln.

WB-Markt: Die Aufkohlung in Vakuumöfen ist in der Prozessführung und im Abschreckmedium nicht mit üblichen Atmosphärenanlagen zu vergleichen. Eine C-Pegel-Regelung ist nicht möglich und es wird in Gas abgeschreckt. Ist das nicht ein Risiko für den Anwender solcher Anlagen?

Dr. Löser: Der erfolgreiche Einsatz dieser Technologie ist stark verbunden mit der Kontrolle über den Werkstoff. Ist die Härtbarkeit des Werkstoffes bekannt und wird diese in vernünftigen Grenzen gehalten, sind die besten Voraussetzungen gegeben. Dies ist bei großen Serien insbesondere von Bauteilen für die Automobilindustrie gegeben. Die Prozessparameter zum gesteuerten Aufkohlen lassen sich bei Serienteilen sehr präzise wiederholen und sind damit sehr gut beherrscht. Im Bereich der Lohnwärmebehandlung, wo das Bauteilspektrum häufiger wechselt, muss sicherlich noch überzeugungsarbeit geleistet werden. Hier setzt die Anwendung dieser noch recht neuen Wärmebehandlungstechnologie etwas mehr Erfahrung voraus. Da oftmals keine Angaben zur Härtbarkeit der Bauteile vorliegen, stößt das Verfahren insbesondere bei niedrig legierten Werkstoffen und großen Bauteilquerschnitten an die Grenze der Anwendbarkeit.

WB-Markt: Hr. Koch, was produzieren Sie genau in diesen Anlagen?

Koch: Wir sind ein führender Hersteller von gehärteten Ketten für Becherwerke und Kettenförderer und liefern diese Ketten weltweit. Die Ketten werden aus Rundstahl gefertigt und dann einsatzgehärtet. Die Einsatzhärtungstiefe liegt im Mittel bei 2,6 mm.

WB-Markt: Wie sind Ihre Erfahrungen mit dieser Anlagentechnik nach nunmehr 9 Monaten Einsatzdauer?

Koch: Während die Anlage bei ALD gebaut wurde, konnten wir schon unter realen Bedingungen in einer Lohnhärterei unsere Ketten einsatzhärten, weshalb wir nach der Installation praktisch nahtlos in die eigene Fertigung einsteigen konnten. Dank der Mithilfe von ALD und der Lohnhärterei sind wir mehr als zufrieden gestartet.
Aus unseren eigenen Erfahrungen können wir bereits jetzt sagen, dass zusätzlich zu dem geforderten Härteprofil auch eine Verbesserung der Maßhaltigkeit und die fantastische Sauberkeit für uns wichtige Verbesserungen darstellen.
Inzwischen haben wir schon die nächste Ausbaustufe bestellt und werden noch in diesem Jahr zwei weitere Behandlungskammern und einen Anlassofen erhalten.

WB-Markt: Hr. Dr. Löser, was ist als nächstes von der ALD zu erwarten und welche zukünftigen Anwendungen werden Sie angehen?

Dr. Löser: Das modulare Konzept unserer Anlagen ermöglicht auch für das Werkzeughärten noch erhebliche Verbesserungspotenziale. Das Werkzeughärten wird heute überwiegend in Vakuum-Einkammeranlagen durchgeführt. Beim Chargieren müssen diese Anlagen geöffnet werden und kontaminieren mit der Feuchtigkeit der Umgebungsluft. Die Verwendung von Modultherm-Anlagen ermöglicht eine Warmbeschickung und vermeidet jeglichen Kontakt mit der Umgebungsatmosphäre. Ein weiterer Vorteil ist der hohe Automatisierungsgrad der Anlage, der einen vollautomatischen Wärmebehandlungsablauf aus einem Chargenspeicher heraus erlaubt.
Einen weiteren zukünftigen Schwerpunkt sehen wir bei der Wärmebehandlung von Sinterwerkstoffen. Bereits die vakuumgestützte Entölung liefert eine bessere Qualität. Das hohe Angebot an kohlenstoffabgebender Atmosphäre ermöglicht aber ein steiles C-Profil, was in konventionellen Atmosphärenanlagen nicht möglich ist. Das Abschrecken ist auch bei diesem Prozess trocken, was ein ständiges Ausblühen der Sinterteile nach dem Einsatzhärten vermeidet.

WB-Markt: Hr. Koch waren Ihre Kunden nicht überrascht, plötzlich ganz blanke Ketten zu erhalten? Bestand nicht Gefahr, dass Ketten als nicht behandelt eingestuft wurden?

Koch: Unsere Kunden haben insgesamt sehr positiv reagiert und wurden natürlich von uns vorher informiert. Wir haben heute eher Erklärungsbedarf, wenn der gleiche Kunde Ketten aus unserer konventionellen Kammerofenanlage erhält.

WB-Markt: Meine Herren, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

ALD Vacuum Technologies GmbH
Wilhelm-Rohn-Straße 35 · D-63450 Hanau

Telefon: +49 (0)6181/307-0
Telefax: +49 (0)6181/6181-3290

Kontakt: info@ald-vt.de
Internet: http://www.ald-gmbh.de
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