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Oktober 2011: Rohde Schutzgasöfen GmbH, Bruchköbel
Interview mit Herrn Jörn Rohde
WB-Markt: Herr Rohde, seit unserem letzten Gespräch ist nun mittlerweile ein Jahr vergangen. Was gibt es bei Ihnen Neues zu berichten?

Jörn Rohde: Wir sind momentan sehr zufrieden. Die Auftragslage hat sich anhaltend sehr positiv entwickelt und wir haben gerade die wahrscheinlich größte Schachtofenanlage mit Retorte zum Gasaufkohlen in Europa ausgeliefert.

WB-Markt: Verraten Sie mir ein paar mehr Details zu der Gasaufkohlungsanlage.

Jörn Rohde: Es handelt sich wie gesagt um eine Retorten-Schachtofenanlage mit einem Nutzraum-Volumen von über 100 cbm. Den dazu passenden Anlassofen hatten wir ja im letzten Jahr bereits in Betrieb genommen, nun erfolgte die Lieferung der Gasaufkohlungsanlage. Der Nutzraumdurchmesser beträgt 5,2 Meter bei einer nutzbaren Höhe von 5 Metern. Dieser Anlagentyp ist für eine maximale Beladungslast von rund 200 Tonnen geeignet.

WB-Markt: Konnten Sie bei der Realisierung des Projektes auf frühere Standardlösungen zurückgreifen oder wurde diese Anlage komplett neu konzipiert?

Jörn Rohde: Wir mussten bei der Konstruktion dieser Anlage einige bisherige Standardlösungen für Retortenschachtofenanlagen verwerfen. Eine Anlage dieser Größe erfordert neue Lösungsansätze, die ich gemeinsam mit meinem Mitarbeiterteam erarbeitet habe. Trotz der gewaltigen Heizleistung von mehr als 2 Megawatt arbeitet die Anlage extrem kostengünstig. Auf Energieeinsparung wurde bereits in der Planung größten Wert gelegt und die Maßnahmen wurden zusammen mit dem Kunden umgesetzt. Auch haben wir ein multiples Begasungs- und Abgassystem entwickelt, das wir künftig auch für unsere kleineren Anlagen übernehmen wollen.

WB-Markt: Was verbirgt sich hinter diesem multiplen Begasungssystem?

Jörn Rohde: Das System arbeitet ohne Gasumwälzer und sorgt für sehr gute Gleichmäßigkeit in der Anlage. Wir haben mehr als 50 Begasungsstellen in der Anlage sowie eine entsprechend angepasste Abgasführung. Durch den Verzicht auf den Gasumwälzer ist das System deutlich weniger verschleißanfällig und ermöglicht uns auch bei der Gasanalyse neue Wege. Neben den üblichen Sauerstoffsonden im Deckel können wir über die Begasungsstellen aus dem Nutzraum der Anlage Gasproben entnehmen und analysieren.

WB-Markt: Sehen Sie in Deutschland einen Markt für weitere solcher Groß-Anlagen?

Jörn Rohde: Nicht nur in Deutschland. Es gibt bereits einen Markt dafür und ich bin mir sicher, mit dieser Anlage wird dieser Markt auch noch weiter wachsen. Sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern. Dafür haben wir unsere Auslandsaktivitäten bereits verstärkt und werden es auch weiter tun.

WB-Markt: Was meinen Sie damit?

Jörn Rohde: Wir haben Vertretungen in Europa und in den USA. Unsere Vertretungen sind auch in der Lage, technischen Service an unseren Anlagen zu bieten. Zurzeit arbeiten wir an weiteren Kontakten, um unser Vertriebsnetz weiter auszubauen.

Selbstverständlich werden wir dabei unsere Kunden in Deutschland, die für uns nach wie vor den wichtigsten und größten Markt darstellen, nicht aus den Augen verlieren und wie gewohnt der zuverlässige und unkomplizierte Ansprechpartner bleiben.


WB-Markt: Was uns alle sicher brennend interessiert, ist der Entwicklungsstand Ihres neuen Gasaufkohlungsverfahrens.

Jörn Rohde: Das Projekt läuft auf Hochtouren. Es handelt sich hierbei um ein offizielles, auf Beschluss des deutschen Bundestages vom Bundesministerium für Wirtschaft gefördertes Forschungsprojekt, an dem wir gemeinsam mit dem IWT Bremen arbeiten. Ziel ist es, die Gasaufkohlung effizienter und vor allen Dingen auch umweltschonender zu machen. Wenn sämtliche Versuchsergebnisse wissenschaftlich durch unseren Partner belegt sind, werden wir unseren Kunden weitere Vorteile zugute kommen lassen. Ihre Ringversuche zeigen ja ganz deutlich unser verfahrenstechnisches Knowhow, das wir mit unserem wissenschaftlichen Partner weiter festigen und ausbauen.

WB-Markt: Sie, Herr Rohde, und das Unternehmen waren im vergangenen Jahr sehr aktiv und haben auch vieles bewegt. Haben Sie noch weitere Entwicklungsprojekte, an denen Sie arbeiten?

Jörn Rohde: Wie Sie ja wissen, liefern wir zu unseren Ofenanlagen unsere eigene Steuerungs- und Verfahrenstechnik. Bisher haben wir damit bereits hervorragende Ergebnisse im direkten Vergleich zu unseren Wettbewerbern liefern können - ob nun aufgrund der niedrigen Gas- und Energieverbräuche oder aufgrund der metallurgischen Behandlungsergebnisse unserer Prozessregelung. Dies wollen wir weiter verbessern und optimieren. Wir arbeiten zum einen an einer vollkommen offenen, standardisierten Automatisierungslösung für die Anlagensteuerungen und parallel an einer weiter optimierten Meß- und Regelungstechnik. Wir sind zurzeit an der Erprobung einer NDIR-basierenden Atmosphären-Sensorik, die beim Gasaufkohlen die bisher in der Regel verwendeten Sauerstoffsonden preislich unterbietet, dabei aber gleichzeitig wesentlich höhere Genauigkeit bietet. Die extrem leistungsfähigen und gleichzeitig kostengünstigen Systeme der Mikroelektronik bieten uns hierfür eine sehr gute Basis.

WB-Markt: Das hört sich so an, als würde in Ihrem Unternehmen permanent an Verbesserungen gearbeitet.

Jörn Rohde: Ja, wir wollen unseren Kunden auch weiterhin die komplette Lösung aus einer Hand bieten und darüber hinaus auch einen deutlichen Mehrwert für unsere Kunden schaffen. Dies setzt voraus, dass man sich dem technologischen Fortschritt in allen Bereichen nicht verschließt. Wir schauen schon immer über den Teller- oder besser Retortenrand hinaus und stellen uns täglich dem nationalen- und internationalen Wettbewerb. Dieser kontinuierliche Verbesserungsprozess bildet unsere Existenzgrundlage.



Rohde Schutzgasöfen GmbH
Blochbachstr. 37-39
D-63486 Bruchköbel
Tel. +49 (0) 6181 / 70905-0
Kontakt: info@rohdetherm.de
Internet: http://www.rohdetherm.de
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